Betriebsmittelprüfung händefrei: Mein DIY-ESP32-Fußschalter

Kennst du das? Du stehst in der Werkstatt, hast einen Bohrhammer in der einen Hand und das Prüfgerät in der anderen. Eigentlich müsstest du jetzt auf deinem Tablet oder Smartphone den nächsten Schritt in der Checkliste bestätigen. Aber wo lässt du das Werkzeug? Erst ablegen, Display entsperren, mit dreckigen Fingern den „Weiter“-Button suchen, wieder aufnehmen... und das Ganze 50-mal am Vormittag. YouTube-Thumbnail mit dem Titel "FUSS STATT MAUS" in gelber Schrift auf dunklem Hintergrund. Ein Mann mit Brille und Kopfhörern lächelt leicht und präsentiert einen schwarzen Industrie-Fußschalter, der mit einem blau leuchtenden Effekt hervorgehoben ist. Ein kleiner "Nerd Alarm"-Sticker ist oben links sichtbar. Ganz ehrlich: Das ist der Moment, in dem Digitalisierung im Handwerk nervt statt hilft. Wenn die Software uns zwingt, unseren Arbeitsfluss zu unterbrechen, haben wir was falsch gemacht. Ich hatte darauf keinen Bock mehr. Ich wollte die Hände am Prüfling lassen und trotzdem die digitale Dokumentation im Griff haben. Die Lösung lag – wortwörtlich – zu meinen Füßen.

Die Schmerzstelle: Wenn digitale Checklisten den Workflow killen

Wir reden immer über Effizienz durch Digitalisierung. Aber die Realität bei der Betriebsmittelprüfung sieht oft so aus: Wir ersetzen den Klemmbrett-Zettel durch ein Tablet, aber die Mechanik bleibt dieselbe. Wir brauchen immer noch eine Hand für das Gerät.

In meiner Welt müssen Hardware und Software eine Symbiose eingehen. Wenn ich ein Gerät begutachte, will ich es drehen, das Kabel prüfen, die Isolierung checken. Ich will den Fokus auf dem Prüfling haben, nicht auf einem Touchscreen. Das Problem ist also nicht die digitale Liste, sondern das Interface. Wir brauchen eine Steuerung, die funktioniert, wenn die Hände voll sind.

Hardware-Hack: Vom 230V-Treter zum smarten IoT-Eingabegerät

Ich bin ja eine bekennende Scanner-Persönlichkeit – ich sehe was und überlege sofort: „Was kann ich daraus basteln?“ In diesem Fall war es ein massiver Fußschalter, der eigentlich dafür gedacht ist, 230-Volt-Maschinen ein- und auszuschalten. Ein echtes Stück Werkstatt-Hardware: robust, schwer, unverwüstlich.

Aber statt Starkstrom durchzuleiten, habe ich das Innenleben entkernt. Das Ziel: Der Schalter soll ein Signal an meinen Rechner senden, genau wie eine Tastatur.

Das Gehirn des Ganzen: Ein ESP32 Im Inneren sitzt jetzt ein kleiner ESP32. Das ist ein Mikrocontroller, der nicht nur winzig ist, sondern auch WLAN und Bluetooth an Bord hat. Das Beste daran? Er kann sich gegenüber einem PC oder Tablet als „HID“ (Human Interface Device) ausgeben. Einfach gesagt: Der Computer denkt, da hängt eine ganz normale Tastatur dran.

Der technische Kniff beim Umbau:

  1. Öffner und Schließer: Der Fußschalter hat mechanische Kontakte. Ich habe den Schließer-Kontakt an einen der Digitaleingänge (GPIOs) des ESP32 gehängt.
  2. Entprellen: Damit ein physischer Klick nicht als zehn schnelle Klicks im System ankommt, muss das Signal im Code „entprellt“ werden.
  3. Keyboard-Emulation: Ich habe ein kleines Arduino-Skript geschrieben. Sobald ich trete, sendet der ESP32 den Befehl Ctrl + Enter (für „Weiter“ oder „Abschließen“) oder Ctrl + Backspace (falls ich mal einen Schritt zurück muss).

Schritt für Schritt: So sieht die händefreie Prüfung aus

Hier mal ein kleiner Einblick, wie das in der Praxis abläuft, wenn Hardware und Software richtig zusammengespielt werden. Mein Ziel war ein Prozess, bei dem ich die Maus nicht ein einziges Mal anfassen muss:

Was ich beim Bau des Prototyps gelernt habe

Hier sind meine drei wichtigsten Erkenntnisse aus diesem kleinen Wochenend-Projekt, die für jedes Digitalisierungsprojekt im Handwerk gelten:

  1. Haptik schlägt Optik: Auf der Baustelle oder in der Werkstatt ist ein physischer Knopf, den man „blind“ bedienen kann, tausendmal wertvoller als das schönste UI-Design auf einem iPad.
  2. Latenz ist der Killer: Wenn ich trete und es dauert eine halbe Sekunde, bis die Software reagiert, verliere ich den Rhythmus. Der ESP32 muss das Signal ohne Verzögerung feuern.
  3. KISS (Keep It Simple, Stupid): Ich hätte auch eine Sprachsteuerung bauen können. Aber in einer lauten Werkstatt? Vergiss es. Der Fußschalter ist dumm, robust und funktioniert immer.

Mehr als nur Spielerei: Warum wir Hardware neu denken müssen

Mancher mag sagen: „Bastian, du Freak, klick doch einfach mit der Maus.“ Aber darum geht es nicht. Es geht um den Stolz am Machen und darum, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die uns täglich Zeit und Nerven kosten.

Dieses kleine Projekt zeigt perfekt, was ich unter Handwerk 4.0 verstehe. Es ist nicht das teure ERP-System von der Stange, das alles lösen wird. Es sind oft die kleinen, pragmatischen Lösungen, die Hardware und Software dort verbinden, wo es wirklich wehtut – im direkten Arbeitsprozess.

Wir haben hier die volle Kontrolle. Wir nutzen Open Source (Arduino/ESP32), um uns ein Werkzeug zu bauen, das genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ist. Das ist wie einen eigenen Dachstuhl zu zimmern, statt in einem kopierten Fertighaus zur Miete zu wohnen.

Fazit: Einfach mal machen (auch ohne KI)

In letzter Zeit rede ich viel über KI und wie sie uns die Schreibarbeit abnimmt. Und ja, eine KI hat mir geholfen, die Arduino-Skripte für diesen Hack schneller zu schreiben. Aber am Ende des Tages brauchen wir im Handwerk immer noch Dinge, die wir anfassen können. Wir brauchen Lösungen, die im Dreck, im Matsch und bei der harten Arbeit bestehen.

Dieser Fußschalter ist für mich ein Symbol: Digitalisierung darf nicht bedeuten, dass wir uns hinter Bildschirmen verstecken. Sie muss uns den Rücken (und die Hände) freihalten, damit wir das tun können, was wir am besten können: Richtig gute Arbeit abliefern.

Hast du auch so eine „Nerv-Stelle“ in deinem Prozess, wo du eigentlich drei Hände bräuchtest? Schreib mir mal oder vernüpfe dich mit mir auf LinkedIn, vielleicht finden wir ja gemeinsam eine Hardware-Lösung dafür. Chaka!

Hier findet ihr auch das Video dazu-> Video

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